Sozialprojekte

Schule für alle

Seit dem Frühjahr 2012 engagieren sich Schüler und Lehrer der Sankt-Ansgar-Schule in einem weiteren sozialen Projekt – der Unterstützung der Loyola-School im Bundesstaat Kerala im Südwesten Indiens.
Der Jesuitenpater Syriac Panjikaran baut „mitten im Dschungel“ eine Schule auf, in der Nähe der Hauptstadt Keralas, die Thiruvananthapuram heißt. Hier sollen einmal von der Vorschule bis zum Abitur Kinder unterschiedlicher Herkunft und Religion miteinander lernen können.
Seit 12 Jahren baut Pater Syriac mit Hilfe auch deutscher Freunde, die ihn unterstützen, an der Vollendung dieses Lebenswerkes. Seit dem Frühjahr zählen nun wir an der Sankt-Ansgar-Schule uns ebenfalls zu diesen Freunden. Mit vereinten Kräften wollen wir den Schulbau voranbringen.
Obwohl der Unterrichtsalltag schon seit Jahren läuft, fehlt es noch an so vielem! Wetterfeste Gebäude, die auch einem Monsunregen standhalten, müssen für alle Schulklassen errichtet werden – vier Klassenräume sind gerade fertig gestellt worden. Sie müssen mit Mobiliar ausgestattet werden, das klimafest ist. Alle Kinder sollten Schulbücher in den Händen halten können, da reichen 100 Bücher längst nicht aus. Eine Schule, die auf die Zukunft vorbereitet, muss auch technisch und fachlich eingerichtet werden.
Es ist in Indien nicht selbstverständlich, dass Christen, Moslems und Hindus die Chance bekommen, gemeinsam zur Schule zu gehen. Dafür nehmen viele Familien einen weiten Schulweg in Kauf. Um das zu bewältigen, werden Schulbusse benötigt, deren Anschaffung und Unterhalt ebenfalls viel Geld kosten.
Es ist bewundernswert, wie Pater Syriac und sein Lehrerinnenkollegium mit viel Enthusiasmus die rudimentäre Ausstattung kompensieren. Die Fotos zeigen, dass trotz des Mangels an Material eine fröhliche und dennoch konzentrierte Unterrichtsatmosphäre herrscht. Pater Syriac hat seine Lehrerinnen selbst ausgebildet, damit diese indischen Frauen die Chance bekommen, dem unterschwellig immer noch erfahrbaren Kastenzwang zu entkommen und ihr Leben selbst bestimmt führen können.
Wir wollen mit unterschiedlichsten Aktionen dazu beitragen, Pater Syriac und seine Schule finanziell zu unterstützen. Er lädt uns ein, ihn zu besuchen und vor Ort den Fortschritt zu begutachten, den auch unsere Spenden ermöglichen. Es besteht für unsere Schüler die Möglichkeit, nach dem Abitur zum Beispiel ein soziales Jahr in Kerala zu absolvieren. Jede Hilfe ist willkommen.
Wir hatten mit einem Privatsponsoring unserer Schüler und Lehrer über das Himmelfahrtswochenende (650 €), einer Kollekte im Schuljahresabschlussgottesdienst vor den Sommerferien (624 €), einer Klassenaktion „Sammlung von Restdevisen“ (läuft noch) und dem Verkauf der CD von unserem letzten literarischen Café mit sehr schönen Erzählungen zum Thema „Märchen, Mythen, Mystiker“ (läuft ebenfalls noch) schon erste Erfolge.
Jetzt wollen wir am 14. September mit einem Sponsorenlauf der ganzen Schule um die Außenalster ein deutliches Zeichen setzen.
Gern verweisen wir auf die (deutsche) Homepage der Loyola-School, die Familie Beestermöller, langjährige Förderer und Unterstützer des Projektes, für Pater Syriac eingerichtet hat, um über sein Anliegen zu informieren.
www.loyola-school.com

Catharina Haarmeyer-Soria Vega, im August 2012

Ciudad Bolivar

Die Schulgemeinschaft der Sankt-Ansgar-Schule in Hamburg hat im September 2003 damit begonnen, durch Spenden den Erweiterungsbau eines Kinderhortes in Ciudad Bolivar, einem der ärmsten Viertel der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá, mitzufinanzieren.

Als katholischem Gymnasium in jesuitischer Tradition ist es uns ein Anliegen, soziale Verantwortung bei unseren Schülern zu entwickeln. Sie werden im Unterricht, z. B. in Religion auf die Notlage vieler Kinder auf der Welt aufmerksam und von den Schülern selbst ist dann oft der Wunsch gekommen, etwas gegen diese unhaltbaren Zustände zu tun. Wir haben daher ein Projekt ausgewählt, das an die unterrichtliche Erfahrungswelt der Schüler anknüpft. Unsere Schüler lernen seit August 2005 ab der 8. Klasse Spanisch und das Thema „Straßenkinder in Lateinamerika“ steht irgendwann in jedem Kurs auf dem Programm. Natürlich werden dabei auch Hilfsprojekte besprochen, die von einer Reihe nichtstaatlicher Organisationen eingerichtet worden sind.

Die Salesianer Don Boscos unterhalten in Bogotá ein Ausbildungszentrum, in dem junge Menschen einen Beruf erlernen können statt auf der Straße zu leben oder sich als junge Mädchen zu prostituieren, was für viele der Straßenkinder die einzige Alternative wäre, da sie nicht von ihren Familien unterstützt werden. Besonders prekär ist die Situation für junge Mädchen, die selbst schon Mütter sind und nicht wissen, wohin mit ihren kleinen Kindern während der Ausbildungszeit. Der Kinderhort, den die Salesianer mit ihrem ganzheitlichen Betreuungs- und Ausbildungskonzept gebaut haben, platzt aus allen Nähten. Als wir bei der Don Bosco Mission angefragt haben, wo wir helfen können, schlug man uns dieses Projekt vor, dass unserem Anliegen sehr entgegenkommt. Die meisten unserer Schüler haben eigene Kinderhorterfahrung, meistens eine gute, sie sind jetzt selbst in der schulischen Ausbildung, sie verstehen, was es heißt, angenommen zu sein von freundlichen, ihnen zugewandten Erziehern und Lehrkräften.

So erfuhren wir ein sehr positives Echo, als wir das Projekt der Schulgemeinschaft, den Eltern und Kollegen vorstellten. Schnell fand sich eine Gruppe von aktiven Schülern und begleitenden Lehrkräften, die Ideen entwickelten, wie wir die benötigten 20.000 Euro aufbringen könnten. Im Laufe der vergangenen zwei Jahre sind viele bunte Aktionen gelaufen, die zu einem aktuellen Spendenkontostand von knapp 8.000 Euro geführt haben. Zum Beispiel haben Schüler der Oberstufenspanischkurse eine Fiesta Latina organisiert, Schüler aus der Unterstufe eine Disco, die ganze Schulgemeinschaft einen „Minidom“ mit Spiel, Spaß und kulinarischen Genüssen. Wir hatten schon einen von Schülern ausgerichteten Spielzeug- und Bücherflohmarkt, Eltern und Lehrer sind auf ihren Konferenzen und Sprechtagen mit Kaffee und Kuchen bewirtet worden, eine Klasse hat eine Verkaufsaktion von Kunstgegenständen aus Tansania durchgeführt und eines der großen Highlights im August war ein Benefizkonzert der diversen Schülerbands unserer Musikgruppen, bei dem von den Schülern und Kollegen 1.600 Euro gespendet wurden. Auch gibt es zwischendurch immer wieder einzelne Schülergruppen, Eltern und Kollegen (auch ehemalige!), die mir Geld „für unser soziales Projekt“ in die Hand drücken.

Daneben haben Schüler des Spanisch-Leistungskurses per E-Mail Kontakt zu dem Salesianer Pater García in Bogotá aufgenommen und ihre Spanischkenntnisse anwenden können. Er hat ausführlich vom sozialen Umfeld und der Arbeit vor Ort berichtet und die Fotos, die wir erhalten haben, machen deutlich, dass wir dringend helfen müssen. Eine weitere große Aktion war der Martinstag im November 2005, an dem wir einen Vormittag lang Brett- und Kartenspiele gespielt haben, damit im erweiterten Kinderhort in Bogotá auch bald gespielt werden kann. Wir haben mit einem Startgeld von 5 Euro pro spielendem Schüler und Lehrer (wir sind gut 1000 Personen an der Sankt-Ansgar-Schule) knapp 4000 Euro eingesammelt.

Trotzdem merken wir, dass die finanzielle Situation vieler unserer Familien im Vergleich zu vergangenen Jahrzehnten, in denen wir auch schon soziale Projekte unterstützt haben, problematischer wird und viele den Euro zweimal umdrehen müssen, so sehr sie auch verstehen, dass andere, denen es viel schlechter geht, unserer Hilfe bedürfen.
Daher haben wir uns sehr gefreut, als unser Projekt und das soziale Engagement der Schüler mit einem großzügigen Beitrag von 2000 Euro durch „Children for a better world“ gewürdigt wurde.

Im weiteren Verlauf haben wir Freundschaftsbänder verkauft, die von den Straßenkindern in Kolumbien hergestellt wurden. Die möchten nämlich selbst dazu beitragen, dass ihre Situation besser wird. Mit dieser Aktion sind wir als Ansgarschule auch auf dem Fest der Völker an die Öffentlichkeit gegangen, das anlässlich der Fußball-WM auf dem Domplatz veranstaltet wurde. Erzbischof Thissen ist jetzt ebenfalls Besitzer eines Freundschaftsbandes.

Dann wurde ein Fußball versteigert, den uns der HSV mit den Autogrammen seiner Spieler veredelt hatte und selbst ganz sportlich sind wir in einem Sponsorenlauf mit dem Erzbischof um die Alster gegangen, wodurch wir weitere 2607 Euro an Pater García überweisen konnten.

Neben weiteren kleinen, aber regelmäßigen Spenden haben alle mit viel Engagement an der Aktion Endspurt teilgenommen, einer großen klassenübergreifenden Aktion, durch die wir unser Ziel jetzt erreicht haben. Es sind über 20.000 Euro zusammengekommen. Die genaue Summe teilen wir Mitte April mit, wenn auch die letzten Aktionen abgerechnet sind.

Als Schulgemeinschaft Sankt Ansgar können wir wohl ein wenig stolz auf dieses hervorragende Ergebnis sein, denn es hat uns viel Anstrengung, manche Diskussion und einen unermüdlichen Einsatz gekostet. Wir haben demonstrieren können, dass uns unsere Mitmenschen nicht gleichgültig sind, auch wenn sie am anderen Ende der Welt zuhause sind. Und dass sie ein Zuhause haben, verdanken wir dem emsigen Treiben von Pater García und seinen Mitarbeitern.

Catharina Haarmeyer-Soria Vega   |  Projektbetreuerin „Kinderhort Ciudad Bolivar“  |  Lehrerin an der Sankt-Ansgar-Schule