Eine Zwickauer NSU Terrorzelle und die deutschen Ermittler

Der Münchner Jurist Yavuz Narin gewährt den Schülerinnen und Schülern der drei katholischen Gymnasien erschütternde Einblicke in den bisher grössten Prozess gegen eine rechtsradikale Terrorgruppe. Jeder von uns hat schon mal über den langen Münchner Prozess gegen das NSU-Mitglied Beate Zschäpe gelesen.

Yavuz Narin ist der Anwalt der Nebenkläger, d.h. u.a. der Ehefrau des 2005 ermordeten Griechen Th. Boulgarides. Es geht um insgesamt 11 Morde einer rechtsextremistischen Terrorgruppe (NSU-Nationalsozialistischer Untergrund), um schwere Ermittlungsfehler der Polizei, der Bundesanwaltschaft, der Staatsanwälte und auch um Versäumnisse der Innenminister. Offenkundig wollte die Justiz lange Zeit viele Morde nicht der NSU-Terrorgruppe zuordnen.

Rechtsextreme töten türkische Kleinhändler?

Immer wieder haben schwere Ermittlungspannen die Aufklärung verhindert. So sind Aufkleber der rechtsextremen Gruppe „Fränkische Aktionsfront“ auf dem Asphalt vor dem Geschäft des zweiten Opfers beispielsweise nicht beachtet worden. Und auch innerhalb des Prozesses wurde die Arbeit des Anwalts erschwert;– angefangen bei verschwundenen Akten bis hin zu sich plötzlich nicht mehr erinnernden oder schwer erkrankten Zeugen.

Ist die deutsche Justiz auf dem rechten Auge blind?

Unsere Schüler erleben einen streitbaren und mutigen Anwalt, der die staatliche Aufklärung im Umfeld der NSU-Morde regelrecht ‚vorführt‘, obwohl doch mehr als 90 Prozent der Morde in Deutschland eigentlich aufgeklärt werden.

Ein Einzelkämpfer wie Rechtsanwalt Narin führt uns vor Augen, wie Justiz, Bundesnachrichtendienst und Ermittler bei den Morden des Nationalsozialistischen Untergrundes weggeschaut haben und Beweise unberücksichtigt ließen. Ein Lehrstück für jeden, der das hohe Lied der unpolitischen Justiz singt! Allerdings ist es für unsere Schüler ‚besonders schwer verdaulich‘, weil man nicht glauben will, welche ungeheuerlichen Ermittlungsfehler der deutschen Behörden aufgedeckt worden sind.

  • 11.12.2017 Text/Bilder: Mzn