Literarisches Café – NSU

„Demokratie braucht Demokraten“ (Friedrich Ebert) 

Was für ein Abend über den `Nationalsozialistischen Untergrund`!

Opferanwalt Yavuz Narin, der im Münchner Prozess gegen B. Zschäpe die Nebenkläger der Opfer vertritt, erklärte uns am Montag, dem 30.01.2017 in einem detaillierten Bericht, wie und was in den vergangenen 17 Jahren an Ermittlungsfehlern in den wichtigsten Justizinstitutionen falsch oder fahrlässig in der Aufklärung der NSU-Morde gemacht worden sind. 162 Zuhörer folgten wie gebannt den Details von Rechtsanwalt Narin, der undenkbare und unfassbare Hintergründe des NAZI -Terrors der NSU-Gruppe recherchierte.

Die Polizeifehler, Fehleinschätzungen der sog. Profiler, Datenbankpannen, zahlreiche V-Leute im NSU-Umfeld oder auch Recherchefehler, sogar beim Chefkoordinator für die Geheimdienste, erschweren uns in der Tat den guten Glauben in die Justiz. „Unsere Justiz und unser Verfassungsschutz sind die wichtigsten Institutionen unserer Sicherheit. Nur wenn wir wissen, was wirklich geschieht, können wir unsere Demokratie schützen“, so Rechtsanwalt Narin. 

Rechtsanwalt Y.Narin legt offen, wie ´blind auf dem rechten Auge´ jahrelang viele Ermittler waren. Wie konnte das Täter-Trio der NSU sich der Helfer, Mitwisser und Unterstützer über Jahre hin bedienen? Tatsächlich hat die Neonazi-Szene in Europa breite Unterstützergruppen wie etwa die britische Combat 18.

Gestern abend nun konnten wir in der KSJ  dank Pater Mrosko den Film „Mitten in Deutschland“ sehen. Hier ging es um die frühen Jahre der 3 NSU-Täter und über ihr stetes Abrutschen in die rechte Terrorszene. Unsere Altschülerin Antonia Brandt hat als Regieassistentin an dem Film mitgearbeitet. Sie konnte aus eigenem Erleben während der Filmdreharbeiten berichten, wie ernst der Rechtsterror in Deutschland zu nehmen ist.

Demokratie, so Narin, braucht unangenehme und schonungslose Aufdeckung bzw.Fragen und eine lebendige, offene Gesellschaft. Alle Protokolle des Bundestag-Untersuchungsausschusses sind online einzulesen.

  •  Text: Dr. Maria Meyer zu Natrup
  • Fotos: RM