Jeden kann es treffen!

Bildschirmfoto 2016-01-08 um 16.20.48Am vergangenem Mittwoch besuchten einige Schülerinnen und Schüler des 6. Profils zusammen mit Frau Dr. Meyer zu Natrup das Haus Rissen eine Podeumsdiskussion zur Radikalisierung und Islamisierung von Jugendlichen. Moderiert wurde die Veranstaltung von Frau Makdissi, der Nahostexpertin des renommierten Bildungsinstituts. Teilnehmer der Podeumsdiskussion waren Herr Licht, Referatsleiter für Extremismus im Hamburger Landesamt für Verfassungsschutz und Herr Edler aus der Bildungsbehörde. 4.000 radikalisierte Dschihadisten gibt es in Deutschland – davon Leben 270 in Hamburg. Eine Islamisierung von Jugendlichen ist oft nur schwer erkennbar: Anders als im Rechtsextremismus gibt es keine Symbole, die auf eine radikale Islamisierung hindeuten. Diese ziehen sich meist aus dem Alltag zurück und entwickeln eine kritische Meinung gegenüber dem westlichen Lebensstil. Äußere Merkmale wie langer Bart, Kopftuch oder 3/4-Hose deuten zwar auf eine Zugehörigkeit zum Islam hin, was jedoch eine Zugehörigkeit zum radikalen Islamismus kaum mit einschließt. Auch wenn 80% der in Deutschland lebenden Personen, die sich dem Dschihad angeschlossen haben, einen Migrationshintergrund besitzen, trifft Licht eine klare Aussage: „Den Salafisten, die Salafistin, gibt es nicht!“ Wenn jedoch jemand eine Radikalisierung beobachtet, sollte man sich in jedem Fall an die Vertrauenslehrer wenden. Die Gründe für die Radikalisierung sind unterschiedlich: Viele Dschihadisten neigten auch schon vorher zu Gewaltätigkeit, andere fühlen sich sozial vernachlässigt und suchen im IS eine neue Identität. Beim islamischen Staat erwartet die Jugendlichen zunächst eine Gemeinschaft, die einen sozial anerkennt. Später in Syrien jedoch sind es vor allem Jugendliche aus Europa, die in Syrien an vorderster Front für den IS kämpfen müssen und dabei oft umkommen. Bei der Rekrutierung arbeitet der islamische Staat nach der 4G-Methode (Glaube, Gemeinschaft, Gewissheit und Gehorsam). Diese Methode wurde auch bei den nationalsozialistischen Jugendorganisationen HJ und BdM angewandt. Gewissheit wird gegeben, indem der Glaube begründet wird. Dabei wird dem Jugendlichen die angebliche Falschheit des westlichen Liberalismus eingetrichtert. Dies geschieht so, dass die gesellschaftliche Grundordnung in Frage gestellt wird und mit dem Motto „Regeln sind da, um gebrochen zu werden“ gehandelt. Anschließend folgt die Integration der Sharia. An diesem Punkt ist der Jugendliche so bedrängt, dass ihm meist erst sein Fehler klar wird, wenn es schon zu spät ist – wenn es kein zurück mehr gibt. Und jeden kann es treffen – Hierzu berichtet Herr Licht von zwei interessanten Beispielen. Das erste handelt von einem Jungen aus den Elbvororten, der aus reichem Elternhause stammt. Da beide Elternteile in Vollzeit arbeiten, ist dieser meist allein zu Hause und erfährt kaum elterliche Zuneigung. Er lernt einen türkisch-stämmigen Freund kennen und besucht diesen beim Abendessen. Die dort vorherrschende familiere Atmosphäre verbindet der Junge mit dem Islam, weshalb er zu diesem konvertiert. Jedoch geraten die beiden in dschihadistische Kreise und flogen nach Syrien. Der Junge ist nun tot. Im zweiten Beispiel geht es um eine gut aussehende, türkisch-stämmische, Musterschülerin in der gymnasialen Oberstufe. Nach den Herbstferien trug sie ein Kopftuch und zog sich aus dem Unterrichtsalltag zurück. Grund hierfür war ihr dschihadistischer Freund. Als diese gar nicht mehr in der Schule auftauchte, begann der Verfassungsschutz zu ermitteln. Doch 5 Stunden zu spät: Beide waren bereits auf dem Weg nach Syrien. Der Freund ist bei Kämpfen umgekommen, das Mädchen wurde mit einem anderen Mann zwangsverheiratet. Nach der Podeumsdiskussion folgte ein Abschnitt, bei dem Schülerinnen und Schüler, sowie andere Besucher, den Gästen Fragen stellen konnten. Neben Sachfragen kamen Präventionsmöglichkeiten, Fehler im Bildungssystem und die Inpflichtnahme der hamburgisch-muslimischen Gemeinden zur Ansprache. Darauf folgte ein kaltes Buffet mit Schnittchen, Süßspeisen und Getränken, bei dem Meinungen ausgetauscht werden können. Im Januar gibt es im Haus Rissen eine Veranstaltung zum Thema Salafismus. Anmeldungen sind über Frau Dr. Meyer zu Natrup möglich. Ein Workshop mit Herrm Licht zum Thema Extremismus befindet sich bereits in Planung.

Text/Foto: Roman Berlin