Prozesssimulation

grafeDer Autor Roman Grafe simuliert mit unseren SchüerInnen des 1.und 3.Semesters im 6. Profil den Prozess gegen 2 junge DDR-Mauerschützen, die 1985 den jungen Flüchtling Michael Schmidt auf der Flucht an der Mauer in Berlin erschiessen. 1990 standen die beiden jungen DDR-Grenzsoldaten vor Gericht. „Mord ist Mord – auch wenn er befohlen wird“. Mit diesem Grundsatz haben die Westdeutschen und später die DDR-Regimekritiker gegen die Todesschüsse an der Mauer protestiert und doch endeten die Prozesse mit Bewährungsstrafen, Freisprüchen oder mit geringem Strafmass. So geschieht es auch in unserem nachgestellten Prozess. Unsere SchülerInnen übernehmen die  Richter-, Kläger- und Nebenklägerrollen. Der Staatsanwalt und die beiden Verteidiger streiten über den Befehlsnotstand der beiden Mauerschützen.Beide Schützen übernehmen nicht die Verantwortung für die Salven auf den Flüchtling, sondern ziehen sich zurück auf die Position: “ Ich habe Befehle ausgeführt“. Die Simulation zeigt auf, was getan, was unterlassen werden konnte in der DDR. Die Simulation des Prozesses macht unseren SchülerInnen deutlich, wo nach dem 9.11.1989 die eigentlichen Geschichtsstunden stattfanden: in den Gerichtssälen.

Dr.Meyer zu Natrup   text/foto

Bildschirmfoto 2014-12-10 um 22.35.15Aktueller hätte die Lesung nicht sein können: vor fast 60 Zuhörern liest der Autor Roman Grafe aus seinem Buch “ Die Schuld der Mitläufer – Anpassen oder Widerstehen in der DDR “ kurze Geschichten, charakteristische Alltagsepisoden aus 40 Jahren DDR-Diktatur vor. Die Anthologie vereint ein Dutzend bekannte Autoren wie Wolf Biermann und Erich Loest. Wie hat man in der DDR gelebt, mitgemacht oder widerstanden?
Einige Schüler griffen erwartungsgemäss die aktuelle Debatte über den Unrechtsstaat DDR und über die thüringer Regierungsbildung auf. Der Autor Grafe zitiert auch dazu interessante Geschichten über Möglichkeiten des gefahrlosen Widersprechens und Widerstehens. Grafe zitiert u.a. Stephan Krawczyk: “ Der gelernte DDR-Bürger sagte nicht nein, wenn es für ihn besser war, ja zu sagen „.

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